Die Liptinger Dorffasnet

Der Schlehenbeißer prägt die Fasnet

Die vor über 50 Jahren geschaffenen Schlehenbeißer sind aus der Liptinger Fasnet nicht mehr wegzudenken – sie spielen darüber hinaus eine tragende Rolle im Vereinsleben in Liptingen.

Eine Zunft mit Strahlkraft

Die Schlehenbeißer sind in der Zwischenzeit nicht nur eine der größten Zünfte der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee – mit den Farben Weiß/Blau zeigen sie immer wieder auch ein herrliches Bild bei allen Umzügen und Auftritten. Auch die Brauchtumsvorführung der Schlehenbeißer, das Brennen des Schlehenschnapses, wird immer wieder gerne gesehen – und dies nicht nur, weil die „Großkopfete“ dabei eventuell einen Schlehenschnaps abbekommen.

Mit sehr kritischen Augen wurde 1961 die Gründung der Schlehenbeißer verfolgt. Nicht wenige befürchteten ernsthaft, dass die Zunftfigur das alte Fasnachtsbrauchtum zerstören würde. Letztendlich ist das Gegenteil eingetreten: Der Schlehenbeißer lebt mit und in der Dorffasnet. Wir wissen nicht, wie sich die Dorffasnet ohne ihn entwickelt hätte – wir wissen heute jedoch, dass der Schlehenbeißer die Dorffasnet gefördert hat. Durch ihn begeistern wir viele junge Leute für die Fasnet, und der eine oder andere erkennt dabei auch sein närrisches Talent, das an der Dorffasnet zum Ausdruck kommt.

Leider ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar, wie viele Schlehenbeißer-Masken im Ort vorhanden sind – es dürften jedoch einige mehr als 200 Masken bzw. Häs sein, die im Übrigen alle im Eigentum der Träger sind. Der Name unserer Gemeinde wird heute oft mit dem Schlehenbeißer verbunden. Welche Entwicklung die Schlehenbeißer nehmen sollten, das konnten die Gründerväter sicherlich nicht erahnen.

Die Dorffasnet heute

Der Schmotzige Dunnschtig

Die Dorffasnet beginnt offiziell am Schmotzige Dunnschtig – eingeleitet wird sie jedoch eigentlich mit der Altenfasnet: Ca. 1–2 Wochen vor der eigentlichen Fasnet zeigen unsere älteren Mitbürger im Löwensaal, dass Fasnet nicht abhängig ist vom Alter. Die eigentliche Dorffasnet beginnt dann am Schmotzige Dunnschtig mit der Befreiung der Kindergarten- und Grundschulkinder in Liptingen. Zeitgleich sorgt das Narrenbaumteam für den stolzen Narrenbaum, der am Narrenplatz aufgestellt wird.

Der Nachmittag ist – auch dies ist Tradition in Liptingen – in der Hauptsache den jungen Narren überlassen, die die Fasnet in Liptingen verkünden. Der Abend hat sich als stimmungsvoller Auftakt der Fasnetstage etabliert, geprägt durch die Liptinger Musikkapelle und diverse Guggenmusiken.

Fasnet Samschtig

Der Kunterbunt am Fasnet-Samschtig ist seit jeher einer der absoluten Höhepunkte der Liptinger Dorffasnet. In der Schlossbühlhalle geben die Akteure ihr Bestes – bis hin zu wirklich fernsehreifen Auftritten. Neben Tänzen, Parodien und Vorträgen ist dieser Abend auch Gelegenheit, das Dorfgeschehen durch die närrische Brille zu betrachten.

Fasnet Mentig

Der Fasnet-Mentig ist wohl der längste Tag der Liptinger Fasnet. Als Besonderheit beginnt dieser Tag morgens um 5.30 Uhr mit dem Hemdglonker-Umzug: Punkt 5.30 Uhr gehen die Straßenlaternen aus, die Hemdglonker bewegen sich mit ihren Lampions in stockdunkler Nacht durch die Dorfstraßen, angeführt von der Liptinger Musikkapelle. Damit niemand diesen Termin verschläft, sind Jungnarren die ganze Nacht unterwegs zum Wecken.

Am Nachmittag folgt der Fasnet-Mentig-Umzug: Närrische Gruppen, oft ergänzt durch die eine oder andere Gastzunft, ziehen durch Liptingen. Danach findet man überall – in der Halle, in der Lietstube und in allen Liptinger Lokalitäten – was die Liptinger Fasnet kennzeichnet: närrische Stimmung, ausgelassen, fröhlich, aber nie verletzend.

Fasnet Zeischtig

Der Fasnet-Zeischtig ist nachmittags den Kindern vorbehalten. Mit einem Kinderumzug geht es in die Schlossbühlhalle, wo die jüngsten Narren zeigen, was in ihnen steckt.

Am Dienstagabend – wenn für die meisten in der Umgebung die Fasnet bereits beendet ist – freut sich der Narrenverein in Liptingen nochmals auf einen absoluten Höhepunkt: das Maschkre. In der Regel sind ca. 130 bis 160 Maschkre zu bewundern. Mit viel Phantasie und unglaublichen Ideen werden im Vorfeld die herrlichsten Kostüme genäht oder gebastelt. Die Maschkre ziehen durch die Lokalitäten bis zur Schlossbühlhalle, und den ganzen Abend taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wer verbirgt sich hinter welchem Kostüm? Die Spannung bleibt erhalten, bis sich die Maschkre „aufdecken“.

Das Blau/Weiß Bus-Ticket
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